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Vernetzt mit sich selbst

Völlig unwissenschaftliche Betrachtungen über das "Netzwerk Gehirn" und die Programmierung des eigenen Gehirns

Verfasser: Otto Praxl

Inhalt

Neuronales Netzwerk
Assoziativspeicher
Wille
Was ist Wissen?
In die Tat umsetzen
Die größte Macht sind deine Gedanken
Sein Inneres positiv stimmen
Erfolg
Schlusswort

Neuronales Netzwerk

Das größte Kommunikationsnetzwerk befindet sich nicht draußen in der Welt, sondern im Gehirn jedes einzelnen Menschen.

Das menschliche Gehirn ist ein Netzwerk von Milliarden grauer Zellen, die neuronal verknüpft sind und mit Milliarden anderer Gehirn- und Nervenzellen sinnvoll zusammenwirken.

Es betreibt interne Kommunikation im Gehirn selbst, was man "Denken" nennt. Es steuert durch bewusstes Denken die Handlungen des Menschen. Es erzeugt Gedanken, Ideen, Stimmungen und Gefühle, es speichert im Gedächtnis Eindrücke, Gerüche, Bilder, Texte und andere Informationskomplexe, die wir vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommen haben. Es bildet Erinnerungen, die durch eine Assoziation gestartet werden. Es regelt aber auch unabhängig vom Bewusstsein vollautomatisch die lebenswichtigen Körperfunktionen.

Über die peripheren Einheiten wie Augen, Ohren, Nase, Mund (Sprechorgan, Geschmackssinn) und Tastsinn (Haut und Gliedmaßen) betreibt es externe Kommunikation mit anderen Menschen, der Umwelt und sogar mit Maschinen. Dabei werden über die menschliche Sprache und die Körperbewegungen die wichtigsten Signale abgegeben.

Assoziativspeicher

Es heißt, der Mensch nutze nur 10 % seines Gehirns. Selbstverständlich nutzt der Mensch 100 % seines Gehirns. Es müsste heißen: Der Mensch nutzt nur 10% seines Gehirns bewusst. Der Rest von 90 % ist ein assoziativer Speicher, der die antrainierten, angelernten, motorischen und instinktiven Fähigkeiten gespeichert hat, ohne die die Menschheit nicht überlebt hätte.

Ein gutes Beispiel ist ein Pianist, der ohne Noten die Werke berühmter Komponisten auswendig spielt. Er hat diese Stücke eingeübt, sie sind ihm "in Fleisch und Blut" übergegangen. Diese eingeübten Stücke belasten nicht das normale Gedächtnis und auch nicht das Bewusstsein, sondern sie werden in den "nicht bewusst genutzten" 90 % des Gehirns gespeichert und sind als Programm bewusst abrufbar.

Auch der Stenograf hat einen assoziativen Speicher im Gehirn, in dem alle Steno-Regeln und alle Kürzel gespeichert sind und  der voll mit der schreibenden Hand vernetzt ist. Er kann sich auf den gehörten Text konzentrieren, der ohne bewusstes Nachdenken in die schreibenden Finger fließt.

Jeder Mensch hat in diesen 90 % etwas anderes, aber für ihn ganz Spezielles gespeichert. Die Funker haben dort das Geben und Erkennen von Morsezeichen gespeichert. Selbst der Neandertaler hatte dort seine Überlebensfähigkeiten gespeichert. Dort sind die Fähigkeiten wie Sprachen sprechen und verstehen, Radfahren, Jonglieren oder Seiltanzen gespeichert.

Übung macht den Meister!

Diese eingeübten Fähigkeiten kann man nicht einzeln, sondern nur als Programm in einem bestimmten Zusammenhang abrufen, deshalb nennt man diese Speicherung assoziativ. Man denke an das Aufsagen eines auswendig gelernten Textes oder an eine schwierige Stelle beim Klavierspiel, man muss immer ab einem bestimmten zurückliegenden Punkt einen längeren Anlauf nehmen, um über die schwierige Stelle hinwegzukommen.

Wille

Der Wille des Menschen ist das Ergebnis einer komplexen internen Auswertung aller dieser äußeren und inneren Informationen unter dem Gesichtspunkt des Überlebens und dem Prinzip von Lust und Unlust. Er ist in seiner Entscheidung zunächst einmal frei, er hat die Auswahl. Der Mensch wählt den Weg des geringsten Widerstands oder das kleinere Übel. Er wählt eben das, was ihm die meiste Lust und Freude bereitet oder er geht der Unlust aus dem Weg.

Ist der Mensch in seinen Entscheidungen nun frei oder ist der menschliche Wille nur ein Resultat aus einer schwierigen Konstellation der äußeren und inneren Umstände? Ist letztlich der Mensch für sein Tun nicht verantwortlich?

Der freie Wille ist abhängig vom Können, das wiederum ein Wissen über die näheren Umstände voraussetzt, was der Mensch sich wünscht und wie er den freien Willen umsetzen will. Er kann bestrebt sein, zum Mond zu fliegen, das steht ihm frei. Aber ob er sich diesen Wunsch erfüllen kann, hängt davon ab, ob er dies in die Tat umsetzen kann. Er muss das Wissen und die finanziellen Mittel dazu haben.

Was ist Wissen?

Es gibt viele Definitionen des Begriffes "Wissen". Nach Lexikon (Brockhaus):

Wissen ist der Inbegriff von (in erster Linie) rationalen Kenntnissen.
Wissen ist die begründete und begründbare Erkenntnis im Unterschied zur Vermutung und Meinung oder zum Glauben.
Wissen kann sich primär durch zufällige Beobachtung, durch systematische Erfahrung (Experiment) oder deduzierte Erkenntnis bilden, sekundär durch lernende Aneignung von Wissensstoff.

In der Informatik steht dieser Begriff am Ende der Kette Daten - Information - Wissen. Die Daten für sich haben keine Bedeutung. Die Information entspricht einer Kombination von Daten. Erst durch die Zuordnung einer oder mehrerer Informationen zu einer Bedeutung (Erkennen von Zusammenhängen) entsteht im menschlichen Gehirn Wissen.

Wissen ist also die Fähigkeit, Informationen richtig zuzuordnen und mit Bedeutungen in Verbindung zu bringen, Zusammenhänge zu erkennen. Zum Beispiel kann eine Zahl in einem Bericht eine Hausnummer, eine Anzahl von Gegenständen oder das Alter eines Gebäudes sein. Der Mensch erkennt die Bedeutung aus dem Zusammenhang und kann die Zahl zuordnen. Ohne die richtige Zuordnung ist die Information wertlos. Wissen kann nur der Mensch bilden, der Computer erkennt keine Zusammenhänge. Er kann aber vorhandenes Wissen speichern, indem der Mensch die Zusammenhänge beschreibt und eingibt. Damit führt das Wissen des Menschen zurück zu einer Informationsmehrung und dies wieder zu einer Datenmehrung.

In die Tat umsetzen

Wie aber wird Wissen verwendet? Was nützt es dem Menschen, wenn er viel weiß? Viel zu wissen, ist ein großer Vorteil gegenüber anderen, die weniger Wissen haben. Die größte Quelle der Macht ist heute das spezialisierte Wissen. Das Wissen ist aber nur eine potentielle Macht, bis es in die Hand desjenigen kommt, der weiß, wie man mit diesem Wissen umgeht und wie man es in die Tat umsetzt. Man muss also wissen, wie man Wissen richtig einsetzt.

Aber das große Ziel des Lebens ist nicht Wissen, sondern Handeln. Es ist das Handeln, das jedem Erfolg vorausgeht. Nur die Tat schafft Ergebnisse. Das größte Talent ist, sich zum Handeln motivieren zu können.

Wir leben in einer kommunikativen Kultur. Verfügung über die Kanäle des Informationsflusses bedeutet Macht. Dieser Schlüssel zur Macht ist heute jedem zugänglich. Das Wissen in der Informationsgesellschaft ist die Voraussetzung, diesen Schlüssel in die Hand zu bekommen.

Wissen ist Macht.

Dieser Spruch stammt von Francis Bacon, dem englischen Philosophen und Staatsmann, der 1561 - 1626 lebte. Seine Utopie Nova Atlantis schildert einen technisch perfekten Zukunftsstaat.

Unter "Macht" wollen wir hier die im Menschen selbst wohnende Kraft verstehen, Ideen zu haben, sie zu erkennen und aufzugreifen, nicht locker zu lassen, bis man sie ganz durchdrungen hat. Zu dieser Macht gehört auch, sich etwas zuzutrauen und die Ideen dann in die Tat umzusetzen. Es gibt Leute, die haben mit geringem Wissen, aber mit riesigem Selbstvertrauen und großer persönlicher Energie etwas geschaffen. Sie haben Wissen, das sie selbst nicht hatten, eingekauft, indem sie gescheitere Leute für sich arbeiten ließen. Sie haben ihr Wissen, wie man fremdes Wissen für sich nutzt, in die Tat umgesetzt.

Die größte Macht sind deine Gedanken

Das Wissen zu haben und der Vorsatz, etwas in die Tat umzusetzen, genügen nicht. Der Mensch muss an seine Idee und an das Gelingen seiner Tat glauben. Was ein Mensch glaubt, was er für möglich und für unmöglich hält, bestimmt in großem Maße das, was er kann und nicht kann.

Ob du nun glaubst, dass du etwas tun kannst oder
ob du glaubst, dass du es nicht tun kannst,
du wirst immer recht behalten.

Amerikanisches Sprichwort

Auf den Glauben an sich selbst und die Kraft der Gedanken, vor allem der positiven Gedanken, baut eine Wissenschaft auf, die sich Neurolinguistisches Programmieren (NLP) nennt. NLP untersucht, wie Menschen mit sich selbst kommunizieren, um optimale Zustände des inneren Netzwerkes herzustellen und wie diese Kommunikation unser Nervensystem beeinflusst.

Kurz: NLP ist eine Wissenschaft, die untersucht, wie wir unser Gehirn optimal nutzen und systematisch steuern, wie wir unser inneres Netzwerk richtig programmieren und die Ergebnisse erzielen können, die wir uns wünschen.

Entwickelt wurde NLP von den beiden Amerikanern John Grinder und Richard Bandler. NLP ist in Amerika sehr populär und wird dort sehr häufig angewandt. Anthony Robbins ist bekannt geworden, als er ganz normalen Menschen (als Nebeneffekt von NLP) beibrachte, barfuß über einen 3 bis 4 Meter langen Teppich aus glühend heißen Kohlen zu laufen, ohne Schaden davonzutragen. Alle, die das fertigbrachten, staunten über sich selbst.

In diesem Zusammenhang wollen wir unter dem Begriff "Glaube" das Selbstvertrauen verstehen, wenn sich ein Mensch etwas zutraut und glaubt, es auch fertigzubringen.

Du kannst es, weil du glaubst, dass du es kannst.
Der Glaube an sich selbst ist der Ursprung des Erfolgs.

Durch die Kraft der Gedanken versetzt sich der Mensch in einen positiven inneren Zustand, er denkt positiv, programmiert sein inneres Netzwerk, das Unterbewusstsein, auf ein Ziel, das er erreichen will. Seine innere Einstellung ändert sich. Er glaubt an sich selbst und an seine Kraft, das Ziel erreichen zu können. Er weckt und aktiviert die grenzenlose Energie in sich selbst, er motiviert sich. Donald Wilson hat 1976 ein Buch (Total Mind Power) über dieses Thema geschrieben.

In der Medizin ist seit langem der Placebo-Effekt bekannt. Die Patienten erhalten ein Scheinmedikament, das keinerlei Wirkstoff besitzt, von dem sie aber glauben, dass es eine neuartige Heilwirkung hat. Durch die Macht der Vorstellungskraft heilt der Körper sich selbst. Norman Cousins hat 1981 darüber ein Buch geschrieben: Der Arzt in uns selbst.

Sein Inneres positiv stimmen

Vom Tag der Geburt an wurden wir geprägt, erzogen, ausgebildet und mussten viel lernen. Dann kamen die Erfahrungen des eigenen Handelns, die Erfolge und Misserfolge. Diese hinterließen positive und negative Spuren in unserem inneren Netzwerk. Unser inneres Netzwerk wurde dadurch programmiert. Negative Erfahrungen hinterließen negative Gedanken. Negative Gedanken sind destruktiv, beeinträchtigen die Lebensfreude und vergiften den Körper, machen ihn krank. Man spricht von psychosomatischen Wirkungen.

Durch Kommunikation mit sich selbst kann man sich positiv programmieren, seine Einstellung ändern. Das Wort "Einstellung" ist hier wörtlich zu nehmen: Das innere Netzwerk wird voreingestellt, womöglich wurde es mit den falschen Werten initialisiert. Falsche Voreinstellungen müssen korrigiert werden.

Denke positiv!

Durch positive Suggestionen kann der Mensch sein Unterbewusstsein gezielt beeinflussen. Autogenes Training baut auf den Grundsätzen der Autosuggestion auf. Dadurch wird eine positive Einstellung zu den Dingen erreicht.

Erfolg

Der Erfolg eines Menschen hängt von vielen Faktoren ab, die wichtigsten wurden oben aufgezeigt. Dazu müssen noch menschliche Eigenschaften vorhanden sein, um zum Erfolg führen:

  1. Leidenschaft, etwas durchzuführen, nicht nachzulassen, nicht lockerzulassen.
  2. Glaube, unerschütterlicher Glaube an das, was man erreichen will (und es dann auch erreichen kann).
  3. Strategien, wie man sein Ziel erreichen kann. Dazu gehören die Planungserfahrungen aus eigenem und fremdem Erleben, an die man durch äußere Kommunikation herankommt.
  4. Klarheit der Werte. Man muss feststellen, was für einen selbst richtig und wichtig ist, man muss Prioritäten setzen, sich auf das Wesentliche konzentrieren.
  5. Persönliche Energie (physische, geistige und intellektuelle Energie). Hier wird die Motivation wirksam, die positive innere Einstellung.
  6. Kooperationsfähigkeit. Viele Dinge lassen sich nur durch Zusammenarbeit mit anderen Menschen erreichen. Diese Kooperation muss mit der positiven Einstellung zu sich selbst und zu anderen Menschen übereinstimmen.
  7. Kommunikationsfähigkeit (Kommunikation mit sich selbst und mit anderen).

Schlusswort

Obige Betrachtungen sind ein völlig unwissenschaftlicher, lückenhafter Überblick über das "Netzwerk Gehirn" und seine Wirkungsweise. Weitere Informationen möge man der vielfältigen Literatur über diesen Themenkomplex entnehmen.


© 1998-2017 Otto Praxl. (Erstveröffentlichung dieses Beitrags am 30.08.1998 auf der Praxelius-Homepage).

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