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Pflege und Reparatur von CD- und DVD-Scheiben

Verfasser: Otto Praxl

Material

CD-Scheiben (CD = Compact Disk) und DVD-Scheiben (Digital Versatile Disk = vielseitig einsetzbare digitale Scheibe) bestehen aus Polycarbonat (z. B. Makrolon). Dies ist ein glasklarer und sehr stabiler Kunststoff. Obwohl Polycarbonat wesentlich kratzfester ist als Plexiglas, ist es trotzdem nicht sicher gegen mechanische Beschädigungen und Kratzer. Außerdem ist das Material empfindlich gegenüber Lösungsmitteln (z.B. Aceton, Metylacetat, Nitroverdünnung).

Aufbau einer CD-ROM bzw. einer DVD

CD-ROM ist ein Datenträger, auf dem Musik und Daten fest eingebrannt sind. Diese Daten werden einmal eingebrannt und können dann nicht mehr verändert werden, deshalb nennt man diesen Datenträger auch Nur-Lese-Speicher (ROM = Read-Only Memory).

DVD ist ein Datenträger, auf dem wesentlich mehr Daten Platz finden als auf einer CD-ROM. Das Basismaterial des Datenträgers ist ebenfalls Polycarbonat, die DVD ist auch ein Nur-Lese-Speicher.

Wenn im nachfolgenden Text von CD die Rede ist, dann gilt das Gesagte auch für die DVD.

Auf der Polycarbonatscheibe von 120 mm Durchmesser und 1,15 ± 0,05 mm Dicke befindet sich die Datenträgerschicht oben. Sie besteht aus Silber, Gold oder anderen Metallen (Reflexionsschicht, glänzt wie ein Spiegel) und ist mit einer Lack-Versiegelung (Schutzschicht) überzogen, welche die Reflexionsschicht gegen äußere Einflüsse (Oxidation) schützt. Auf dieser Schutzschicht befindet sich das Etikett (Label), das aufgedruckt oder ein Aufkleber sein kann. Die Daten werden im CD- bzw. DVD-Laufwerk durch einen Laserstrahl von unten gelesen bzw. im CD- oder DVD-Brenner von unten geschrieben.

Die Datenträgerschicht ist ein Kreisring mit einem inneren Durchmesser von 45 mm und einem äußeren Durchmesser von 118 mm. Das Mittelloch der Scheibe hat einen Durchmesser von 15 mm. Eine gebrauchsfertige CD-ROM wiegt etwa 15 g.

Pflege und Haltbarkeit der CD und der DVD

Hersteller von Rohlingen geben eine Haltbarkeit (Lesbarkeit von beschriebenen Scheiben) von 50 bis 100 Jahren an. Für die gepressten (gekauften) Scheiben (z.B. Musik-CDs, Video-DVDs, Programm-CDs) gelten etwa dieselben Zeiträume. Dies gilt aber nur unter der Voraussetzung, dass der Anwender diese Scheiben pfleglich behandelt.

Schädliche Einflüsse

Ist die Lack-Versiegelung beschädigt, dann kann Sauerstoff eindringen, wobei die Reflexionsschicht oxidiert (schwarze Ränder). Setzt man diese Scheiben dem Sonnenlicht aus, können sie unbrauchbar werden, da die Sonne die Reflexionsschicht verändert ("Sonnenbrand") oder sich das Trägermaterial bei höheren Temparaturen verzieht. Kratzer können die Lesbarkeit beeinflussen, da sie beim Auftreffen des Laserlichts Streulicht erzeugen. Feuchtigkeit, Staub, Lösungsmitteldämpfe und Chemikalien sind sehr schädlich für die empfindlichen Scheiben. Reinigen sollte man sie nur mit warmen Wasser. Anschließend sollten sie mit einem weichen Tuch (z.B. Mikrofaser) abgetrocknet werden, damit keine Feuchtigkeit zurückbleibt.

Die Scheiben sollten immer in den Originalhüllen (gegen Licht geschützt) bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden.

Die Scheibe brummt im Laufwerk

Manche Scheiben brummen im Laufwerk, weil sie eine Unwucht haben. Der Grund dafür ist die ungleiche Dicke der Scheibe. So kann man z. B. auf der einen Seite eine Dicke von 1,15 mm messen und genau gegenüber 1,22 mm. Diese ungleiche Dicke bewirkt, dass der Schwerpunkt der Scheibe nicht mehr in Lochmitte ist, sondern mehr oder minder daneben.

Zur Messung der Dicke verwende man eine digitale Schiebelehre, die auf 1/100 mm genau messen kann. Hier ist besondere Sorgfalt nötig, denn beim Messen darf die Scheibe keinesfalls mit den scharfen Kanten der Schiebelehre verkratzt werden.

Zum "Auswuchten" helfen selbstklebende Papierstückchen, die auf der dünneren Seite der Scheibe außen neben dem Rand oben aufgeklebt werden. Man probiert so lange, bis die Scheibe im Laufwerk ruhig läuft. Dieses "Auswuchten" ist die einfachste Methode, eine Scheibe ruhigzustellen.

Eine andere Möglichkeit besteht im Abschaben der überflüssigen Dicke auf der Unterseite, was aber nur im Notfall erwogen werden sollte, wenn Papieraufkleber nicht helfen und die Scheibe unbedingt gerettet werden soll. Die Arbeitsvorgänge gestalten sich wie nachstehend beschrieben.

Reparieren einer beschädigten oder zerkratzten Scheibe

Wenn bei einer CD die Datenträgerschicht von oben nicht verletzt ist, sondern nur das transparente Polycarbonat-Trägermaterial an der Unterseite verkratzt oder beschädigt ist, dann lässt sie sich in den meisten Fällen wieder reparieren.

Beispiel:
Eine System-CD-ROM des Autors war durch Unachtsamkeit zu früh in eine mit UHU-Alleskleber verklebte Papierhülle geschoben worden. Durch das Lösungsmittel des Klebers wurde die Materialoberfläche an der Unterseite der CD im Laufe mehrerer Stunden an vier Stellen angelöst und zeigte nach Trocknen des Lösungsmittels an den Schadstellen ein Netz von Schwindrissen im Polycarbonatmaterial. Die Beschädigungen hatten einen Durchmesser von etwa 1 cm und eine Tiefe von etwa 0,1 mm. Die CD-ROM war nicht mehr lesbar, das Laufwerk erkannte keine Daten mehr.

Arbeitsvorgänge:

1. Abtragen der schadhaften Schicht

Die schadhaften Stellen an der Unterseite der CD werden mit einer scharfen Rasierklinge abgeschabt. Die Rasierklinge wird wie eine Ziehklinge gehandhabt, sodass eine glatte Materialoberfläche entsteht, auf der keine Spuren des Schadens mehr sichtbar und fühlbar sind. Es ist derselbe Vorgang, wie ihn technische Zeichner kennen, wenn sie größere Flächen einer auf Transparentpapier befindlichen Tuschezeichnung abschaben müssen.

Nach Bearbeiten mit der Rasierklinge muss sich die Unterseite der CD bei der Prüfung mit den Fingerspitzen ganz glatt anfühlen.

2. Schleifen der Materialoberfläche

Nicht nur die nach 1. abgeschabte Fläche, sondern die gesamte Unterseite der CD muss nun mit Nass-Schleifpapier geschliffen werden. Zuerst verwendet man Körnung 500 und im zweiten Arbeitsgang mindestens Körnung 1200. Das Schleifen geschieht mit der Hand, während die CD mit der Oberseite nach unten auf einer weichen Unterlage auf dem Tisch liegt. Nur dann kann man den richtigen Schleifdruck ausüben.

Das Schleifen einer rotierenden CD ist nicht zu empfehlen, weil durch Trockenlaufen die Schleifstellen überhitzt werden und dann Risse auf der Materialoberfläche entstehen. Dies wurde im Test mit einer Probe-CD festgestellt.

Nach jedem Schleifvorgang ist die CD mit warmem Wasser zu reinigen, um den Erfolg des Schleifvorgangs prüfen zu können.

3. Polieren des Materials

Ist die Unterseite der CD gleichmäßig geschliffen und sind keine Unregelmäßigkeiten mehr sichtbar und fühlbar, dann kann poliert werden. Man kann die üblichen Acrylpolierpasten verwenden. Im vorliegenden Fall wurde die Acrylglas-Polierpaste (ohne Wachs) der Fa. Burnus GmbH (erhältlich bei Conrad Electronic) verwendet. Mit einem weichen Poliertuch oder Polierwatte wird die Polierpaste aufgetragen und unter leichtem Druck in kreisenden Bewegungen verteilt. Dann muss 3 bis 5 Minuten lang gleichmäßig poliert werden. Danach wird die CD mit warmem Wasser abgewaschen und der Erfolg der Arbeit geprüft. Wenn die CD-Unterseite noch wie ein trüber Spiegel aussieht, muss der Poliervorgang wiederholt werden. Man poliert so lange, bis die Fläche wie ein sauberer Spiegel glänzt.

Die System-CD-ROM des Autors konnte auf diese Weise gerettet werden und ist jetzt wieder fehlerfrei lesbar.

Beim Polieren einer DVD muss besonders sorgfältig gearbeitet werden, weil die Daten dort wesentlich enger gespeichert sind und schon kleine Fehler an der Materialoberfläche sich optisch beim Lesevorgang bemerkbar machen.

Polieren der Scheibe

Sollte die Scheibe lediglich auf der Unterseite zerkratzt oder matt sein, dann kann man sie, wie oben unter Arbeitsvorgang 3. gezeigt, "auspolieren".

An der Oberseite der CD darf nicht geschliffen oder poliert werden, dort sitzen die Daten (unter der Schutzschicht und dem Label).


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